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China | Mitte Nov. 98 | Proteste gegen Anlagebetrug |
539 |
In Zhengzhou, der Hauptstadt von Henan demonstrierten am 15.11. mehr als 2000
Menschen gegen den Anlagebetrug von Three Star (siehe 467). Sie marschierten vor das
Gebäude der Kommunistischen Partei, verlangten ihr Geld zurück und die Freilassung von
drei ihrer Vertreter, die nach dem Protest am 10.10. festgenommen worden waren. Am 11.11. hatten hunderte von Leuten in Beijing gegen den Anlagebetrug bei Xinguoda Futures demonstriert; es gelang ihnen, bis in die Nähe des Hauptquartiers der KP zu gelangen. Jiang Zemin hat deshalb jetzt die Sicherheitsbehörden angewiesen, in Beijing Proteste oder andere Zeichen von sozialer Unruhe zu unterbinden. "Sobald sich ein kleines Feuer entzündet, muß es sofort gelöscht werden". Am 16.11. demonstrierten "einige Dutzend" in Beijing in der Nähe der US-Botschaft, wo sie von der amerikanischen Regierung Maßnahmen gegen Income Investment Properties verlangten, die sie um 10 Millionen Yuan betrogen habe. | |||
aufgenommen: 17. November 1998 |
Quelle: Hong Kong Standard, South China Morning Post, 17.11.98 |
Indonesien | 14.11.98 | Trauerproteste |
535 |
In 16 Städten wurden, vorwiegend von Studenten, Proteste gegen die Ermordung der
Demonstranten am Schwarzen Freitag in Jakarta organisiert, darunter in Medan, Bandung,
Bogor, Surabaya, Yogyakarta, Solo, Samarinda, Jember, Pontianak, Ambon, Ujung
Pandang, Solo, Purwokerto, Bandjarmasin, Denpasar, Semarang, Padang. Alle diese
Proteste verliefen weitgehend friedlich. Die Plünderungen in Jakarta hielten sich in Grenzen, nachdem große Gruppen von Studenten zusammen mit Marines zu den Orten des Geschehens fuhren und die Leute vom Plündern abzuhalten versuchten. Große Kundgebungen fanden vor dem Parlamentsgebäude (30 000) und vor den Unis statt. Habibie hat die Sicherheitskräfte angewiesen, alles Nötige zu tun, um die Ordnung wieder herzustellen und die Versuche, die "legitime Regierung" (er meint sich selbst) zu stürzen, zu unterbinden. Das treffe nicht die Studenten, sondern die Anführer "dahinter"; der Vorsitzende des Präsidiums der ehemaligen Studenten der Universitas Indonesia wurde vorübergehend festgenommen, weil er einen Aufruf zur Bildung einer Übergangsregierung unterzeichnet hatte. | |||
aufgenommen: 15. November 1998 |
Quelle: Kompas online, The Straits Times, 15.11.98 |
Malaysia | 14.11.98 | Demo bei APEC-Gipfel |
534 |
Etwa 3000 Menschen versammelten sich im Kampung Baru, Kuala Lumpur, um anläßlich des APEC-Gipfels gegen das Mahathir-Regime zu demonstrieren. Sie zogen zu dem Hotel, in dem die amerikanische Delegation wohnt. Auf dem Weg wurden zwei als Fotographen getarnte Geheimdienstler erkannt und angegriffen, sie schossen mit scharfen Waffen, es wurde aber niemand verletzt. Ein verlassenes Polizeimotorrad wurde angezündet; große Portraits des Staatschefs verbrannt. In der Nähe des Hotels kamen Anti-Riot-Einheiten und trieben die Demo mit Wasserwerfereinsatz zurück. | |||
aufgenommen: 15. November 1998 |
Quelle: Bangkok Post, The Straits Times, 15.11.98 |
Indonesien | 14.11.98 | Aufstand in Jakarta? |
533 |
![]() Jugendliche aus den umliegenden Viertel haben ein Militärlager in der Nähe der Universitas Indonesia angegriffen und einen LKW und Zelte verbrannt. Eine Polizeistation wurde angegriffen. Eine Bank und mehrere Shopping Malls sind in Flammen aufgegangen. Proteste auch anderswo, in Surabaya und Bandung demonstrierten Tausende; in Medan wurde wie in Ujung Pandang der Flughafen besetzt mit der Forderung, sofort nach Jakarta geflogen zu werden. | |||
aufgenommen: 14. November 1998; 14:00 MEZ |
Quelle: BBC News, CNN, Suara Pembaruan, 14.11.98 |
Indonesien | 13.11.98 | Blutiger Freitag in Jakarta |
532 |
![]() ![]() Drei Personen wurden von Truppen an der Sudirman-Straße getötet. Mindestens zwei Pro-Regierungsaktivisten wurden von Demonstranten totgeschlagen. Am späten Abend kam eine Reporterin eines lokalen Radiosenders ums Leben. Es waren die schwersten Kämpfe seit dem Mai. Noch nie haben die Demonstarnten mit solcher Wut und Furchtlosigkeit gekämpft.(Hong Kong Standard, 14.11.) In Ostjakarta formierte sich um 14Uhr ein 5km langer Demozug, der sich aufs Parlament zubewegte. Er wurde von 2000 Studenten und Arbeitern angeführt. Ihr Ziel: Die Parlamentssitzung zu stoppen, bevor diese formal beendet war und das Parlamentsgelände zu besetzen. Soldaten öffneten Straßensperren, um die Demo durchzulassen. An der Semanggibrücke wurde die Demo dann beschossen.(The Straits Times interactive, 14.11.) | |||
aufgenommen: 14. November 1998 |
Quelle: div. |
Philippinen | 14.11.98 | Konferenz gegen Bergbaukonzerne |
531 |
In Manila findet die Internationale Konferenz gegen Transnationale Bergbaukonzerne statt. Vertreter der Volksgruppen der Subanens auf Mindanao (Phil.), der Dayak und Amungmes aus Indonesien, der Aboriginies aus Australien und anderer Stämme treffen sich, um den Widerstand gegen die Bergbaufirmen zu verbreitern. Vor allem der Britisch-Australische Konzern Rio Tinto wird verantwortlich gemacht für Zwangsumsiedlungen von Anwohnern. Umweltzerstörung und Neokolonialismus. | |||
aufgenommen: 14. November 1998 |
Quelle: Philippine Daily Inquirer, 14.11.98 |
Indonesien | 13.11.98 | Straßenschlacht in Jakarta; Flughafenbesetzung in Ujung Pandang u.a. |
530 |
![]() ![]() In Ujung Pandang, auf Sulawesi, haben einige hundert Studenten den Flughafen besetzt. Sie protestieren damit gegen die Sondersitzung der "Beratenden Volksversammlung" in Jakarta. Sie fordern, daß ihnen Flüge zur Verfügung gestellt werden, um in Jakarta mitdemonstrieren zu können. In Solo besetzten 500 Menschen das Gebäude des Radio Republik Indonesia. In Purwokerto demonstrierten "Hunderte", ebenso in Semarang. | |||
aufgenommen: 13. November 1998 |
Quelle: Kompas online, Jakarta Post, Bernas, BBC News, South China Morning Post, CNN, 13.11.98 |
Indonesien | 12.11.98 | Weitere Proteste gegen Parlamentssitzung |
528 |
Eine Demo von 10 000 Studenten versuchte, zum Parlamentsgebäude vorzudringen. Polizei und Militär hinderten sie mit Tränengas und Wasserwerfern daran. Auch Gummigeschosse wurden eingesetzt. Mindestens 10 Studenten wurden verletzt. Dabei hatte sich vorher Armeechef General Wiranto noch für das harte Durchgreifen der Sicherheitskräfte bei den gestrigen Protesten entschuldigt. | |||
aufgenommen: 12. November 1998 |
Quelle: BBC News, 12.11.98 |
China | 11.11.98 | Investorenprotest |
527 |
200 von einer Investmentfirma betrogene Anleger demonstrierten in Beijing gegen die offizielle Berichterstattung über ihre monatelangen Proteste. Tausende von chinesischen Arbeitern hatten ihre Lebensersparnisse bei Xinguoda Futures angelegt. 30%Zinsen pro Monat waren ihnen versprochen worden. Im August hatte die Investmentfirma dicht gemacht, das Geld der Anleger war futsch. Seitdem fanden beinahe täglich Sitzstreiks der Anleger statt. Wegen ähnlicher Fälle war es im September auch in Zhengzhou und Xinhui zu Massenprotesten gekommen. | |||
aufgenommen: 12. November 1998 |
Quelle: South China Morning Post, 12.11.98 |
Thailand | 9.11.98 | Caddieprotest (s. 513) |
526 |
200 Caddies haben Vertreter der Bangkoker Stadtverwaltung mit Steinen und Flaschen beworfen, um diese am Betreten des umstrittenen Golfplatzes zu hindern. Die Leute der Stadtverwaltung wollten drei kleine Brücken bauen, als ersten Schritt der Umwandlung des Platzes in einen Park. | |||
aufgenommen: 12. November 1998 |
Quelle: The Straits Times interactive, 12.11.98 |
Indonesien | 11.,10.11.98 | Um die "Beratende Volksversammlung" |
525 |
Gestern demonstrierten einige tausend StudentInnen; die Hauptattraktion aber bildete eine
mit Bambusspeeren bewaffnete Pro-Volksversammlungsgruppe ("Pam Swarkarsa"),
mehrere hundert Mitglieder groß. Sie bedrohten vor allem die Anwohner des Viertel rings
um das Versammlungsgebäude, die zum Gucken da waren. Zweimal kam es zu
Auseinandersetzungen. Nach Verhandlungen durften die Leute von Pam Swarkarsa
abziehen, wobei sie ihre Waffen an die Sicherheitskräfte und die Anwohner abliefern
mußten; die Anwohner garantierten, sie nicht anzugreifen. Heute gaben Soldaten Schüsse in Luft ab und setzten Schlagstöcke ein, um eine Studentendemonstration daran zu hindern, zum Versammlungsgebäude vorzudringen. | |||
aufgenommen: 11. November 1998 |
Quelle: BBC News, Kompas online, 11.11.98 |
Hong Kong | 10.11.98 | Streik bei Garfield |
524 |
Die Belegschaft von Chaifa Holdings, dem Vertreiber von Playboy und Garfield Kleider und Accessoirs in Hong Kong und der VR China führte einen Sitzstreik durch. Die Firma hat die 20 ArbeiterInnen und Angestellten entlassen, nachdem sie mit einer dritten Lohnkürzung nicht einverstanden waren. Sie will auch keine Abfindungen zahlen, weil die Beschäftigten wegen "mangelnder Arbeitsleistung" entlassen worden wären. Begründung: sie hätten zu den Verhandlungen Gewerkschaftsvertreter mitgebracht. | |||
aufgenommen: 11. November 1998 |
Quelle: South China Morning Post, 11.11.98 |
Philippinen | 10.11.98 | Verletzte bei Abrißvon besetzten Häusern |
523 |
Bei einem erneuten Versuch, auf dem ehemaligen Militärgelände Fort Bonifacio Häuser abzureißen (siehe 495), gab es 2 verletzte Polizisten, als eine Handgranate über ihren Köpfen explodierte. Die Polizei schlug sich mit dem Abriß-Team, nachdem dies auf die Häuser geschossen hatte, um die Bewohner zu vertreiben. Die Bewohner, meist ehemalige einfache Soldaten und ihre Familien, hatten das Gelände verbarrikadiert, Reifen angeündet und das Abriß-Team mit Steinen, Glas und anderem beworfen. | |||
aufgenommen: 11. November 1998 |
Quelle: Philippine Daily Inquirer, 11.11.98 |
Indonesien | 10.11.98 | Demos wegen Parlamentssitzung |
522 |
Militär und Polizei haben in Jakarta eine Demo von tausenden Studenten gehindert, zum
Parlament zu ziehen. Bei der Sondersitzung der Beratenden Volksversammlung werden
vom 10.- 13.11. verschiedene Gesetzesänderungen beraten: Datum der nächsten Wahl; das
Wahlsystem; Abschaffung des Dreiparteiensystems; Aufhebung des Wahlkampfverbots auf
dem Lande; Verkürzung einer Präsidentenamtszeit auf zwei Jahre; Beschränkung der
Notstandsvollmachten; die politische Rolle des Militärs. Es hat in der letzten Zeit
zahlreiche Proteste gegen diese Sondersitzung gegeben, da die meisten
Parlamentsabgeordneten noch aus der Zeit des Soehartoregimes stammen und diesem loyal
waren/sind. Es kam heute zu Zusammenstößen zwischen Anti- und Pro-Regierungsdemonstranten. Gestern wurde eine Uni, die als Hochburg des Protestes gilt, von ca. 200 Steineschmeißern angegriffen. | |||
aufgenommen: 10. November 1998 |
Quelle: Bbc News, 10.11.98 |
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18. November 1998