Asien Aktuell: News, Daten, Kämpfe, Bewegungen

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China Mitte März 99 Bauernproteste

820

Die Regierung hat angeordnet, defizitäre ländliche Kredit-Kooperativen zu schließen. Nach Berichten einer Menschenrechtskomission in Hong Kong hat dies zu Bauernprotesten in den Provinzen Sichuan, Hunan, Henan und Guangxi und in der Stadt Chongqing geführt. Allein in Chengdu, der Hauptstadt von Sichuan, sollen sich 10 000 Menschen bei den Büros einer geschlossenen Kooperative versammelt haben. Offizielle dort bestreiten aber, daß es Proteste gegeben haben hat.
aufgenommen: Di., 23.3.1999

Quelle: South China Morning Post, Hong Kong Standard, 23.3.99


Phiippinen 21.3.99 Polizei gegen SchuharbeiterInnen

819

Bei einem plötzlichen Polizeiangriff auf Streikposten zweier Schuhfabriken in der Freihandelszone auf der Halbinsel Bataan (vor Manila) sind 50 ArbeiterInnen verletzt worden. 70 ArbeiterInnen wurden angegriffen; 100 andere aus der Fabrik, die ihnen zu Hilfe kommen wollten, wurden von bewaffneten Sicherheitsleuten zurückgehalten. Die ArbeiterInnen kämpfen seit November bzw. Februar gegen Massenentlassungen und Arbeitshetze. Die Schuhfabriken sind in koreanischem Besitz und produzieren für Nike und Reebok. Eine der Firmen hat Anfang März geschlossen und kurz darauf unter neuem Namen wieder geöffnet, offenbar um Abfindungszahlungen an die ArbeiterInnen zu vermeiden. Die Verwaltung der Freihandelszone hat den ArbeiterInnen den Zugangsausweis abgenommen, um die Streikposten zu schwächen. In der Freihandelszone gibt es zur Zeit auch noch eine Streikpostenkette von 500 ArbeiterInnen einer Gummifabrik.
aufgenommen: Mo., 22.3.1999

Quelle: Philippine Daily Inquirer, 22.3.99


Thailand 21.3.99 Proteste gegen früheren Diktator

818

Der frühere Militär-Diktator Thanom Kittikachorn wurde zum 1.Januar zum Ehrenmitglied der königlichen Garde ernannt. Dies ist erst vor kurzem bekannt geworden und hat im Land einen Sturm des Protestes hervorgerufen. Vor allem die StudentInnen sind erbost, weil dieser Herr mitverantwortlich ist für das Massaker an demonstrierenden Studenten kurz vor seinem Sturz im Oktober 74. Thanom war zwar vorübergehend aus dem Land verbannt worden, er ist aber nie veruteilt worden. Der Vorschlag zu seiner Ernennung kam aus Militärkreisen, sie wurde aber vom Ministerpräsident Chuan Leekpai gegengezeichnet.
aufgenommen: Mo., 22.3.1999

Quelle: CNN; The Nation, 22.3.99


Indonesien 21.3.99 Massaker in West-Kalimantan

817

Die Zahl der in einem Feldzug von Alteingesessenen gegen Zugewanderte aus Madura Ermordeten steigt; die Grausamkeiten sollen unbeschreiblich sein. Bis zu 137 Tote, oft enthauptet und die Köpfe auf Pfähle gesteckt. Mehrere Tausend Häuser sind verbrannt. Mehr als 10 000 Menschen haben in größeren Städten Zuflucht gesucht; die Unterbringungsmöglichkeiten in Pontianak und anderen Gemeinden sind überfüllt; vor allem Kinder leiden an Infektions- und Darmkrankheiten. Die Armee hat 1300 Mann mobilisiert, z.T. über eine Luftbrücke, da Teile der Gegend schwer zugänglich sind.
aufgenommen: Mo., 22.3.1999

Quelle: BBC News; Kompas Online, 22.3.99


Malaysia 20.3.99 Demo gegen Mahathir

816

Etwa 1000 Menschen demonstrierten gegen das Mahathir-Regime und forderten "Reformasi" und die Verhaftung des früheren Polizeichefs, der inzwischen zugegeben hat, dne früheren Vizepremier Anwar bei dessen Verhaftung geschlagen zu haben. Die Polizei verhaftete sieben Demonstranten und drei Journalisten, darunter einen ausländischen Kameramann, der für das britische ITN arbeitet. Die Journalisten wurden später wieder freigelassen.
aufgenommen: So., 21.3.1999

Quelle: The Straits Times, 21.3.99


Indonesien 19.3.99 Polizei beschießt IndoRayon-Gegner

815

Während eines Protestes gegen Holzlieferungen an die Zellstoff- und Chemiefabrik Indo Rayon am Lake Toba, Nord Sumatra, eröffnete die Polizei das Feuer und verletzte vier Demonstranten (Schußwunden). Die Produktion der Fabrik in Porsea ist jetzt aber durch höchste Entscheidung in Jakarta, durch Habibie persönlich, für 14 Tage untersagt. Es soll in dieser Zeit ein neues Gutachten über Umweltschäden durch die Fabrik erstellt werden. Habibie selbst hat als Industrieminister unter Soeharto die Erlaubnis für den Betrieb der Fabrik durchgesetzt, damals gegen Widerstand selbst in der Regierung und in der Region. Das Produktionsverbot durch Habibie hat allerdings wenig praktischen Wert, da die Fabrik zwar produzierten könnte, aber nicht kann, weil Holzlieferungen durch Demonstrationen und Proteste weitgehend unterbunden werden. (Siehe auch 712, 555)
aufgenommen: Sa., 20.3.1999

Quelle: Kompas Online, Hong Kong Standard, 20.3.99


Thailand 19.3.99 Landbesetzer stoppen Züge

814

Gegen die Absicht der Eisenbahnverwaltung, ihre Grundstücke entlang von Gleisanlagen in der Nähe von Bahnhöfen zu entwickeln - und dabei die Leute, die sich seit Jahrzehnten darauf eingerichtet haben, zu vertreiben - protestierten etwa 300 in Hat Yai (nicht weit von der Grenze zu Malaysia). Sie besetzten die Gleise und brachten für 8 Stunden den Zugverkehr zum Erliegen. Schließlich unterzeichnete der Vertreter der Bahn einen Brief, der es den Leuten weiterhin erlaubt, dort zu wohnen.
Durch entsprechende Pläne der Staatsbahn sind landesweit an die 40 000 Menschen von Vertreibung bedroht. Das Transportministerium hat ein dringendes Meeting einberufen, auf dem diskutiert werden soll, wie zukünftig solche Proteste verhindert werden können...
aufgenommen: Sa., 20.3.1999

Quelle: Bangkoko Post, 20.3.99


Philippinen 19.3.99 Verletzte vor US-Botschaft

813

Bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und protestierenden StudentInnen wurden mehr als 20 Personen verletzt. Die Demonstranten protestierten gegen das "Visiting Forces Agreement" zwischen den Philippinen und den USA, das den US-Truppen weitgehende Rechte einräumt, wenn sie im Rahmen gemeinsamer Manöver auf den Philippinen stationiert sind. Das Abkommen ist noch nicht vom Senat der Philippinen ratifiziert.
aufgenommen: Sa., 20.3.1999

Quelle: Philippine Daily Inquirer, 20.3.99


Indonesien 18.3.99 Bankangestellte

812

Etwa 300 Bankangestellte blockierten die Filiale der Bank Indonesia in Surabaya. Sie riefen, zusammen mit vielen anderen in mehreren Städten zum Boycott der Zusammenarbeit mit der Nationalbank auf. Das würde bedeuten, daß keine Kundendaten übermittelt werden. In Bandung streiken die Angestellten der Mashill. In Jakarta wurde ein Gemeinsames Komitee der Angestellten der liquidierten Banken gebildet. Es verlangt Abfindungen in der 10fachen Höhe dessen, was die Regierung will und ruft die Angestellten auf, solange keine Kunden mehr zu bedienen.
aufgenommen: Fr., 19.3.1999

Quelle: Kompas Online, 19.3.99


China 18.3.99 Bergleute verhaftet

811

Nach Mitteilung einer Menschenrechtsorganisation sind in Chengdu (s. 809) fünf protestierende Bergleute verhaftet worden. Die Verhaftung war Grund für Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitern und der Polizei, bei denen mehrere Personen verletzt wurden.
aufgenommen: Fr., 19.3.1999

Quelle: Hong Kong Standard, 19.3.99


Indonesien 18.3.99 Unruhen in Kalimantan

810

Bei Auseinandersetzungen zwischen Alteingesessenen (einschließlich Dayak und Leute malayischer und chinesischer Abstammung) und Bauern, die im Rahmen der "Transmigrasi"-Politik des Soeharto-Regimes von Madura nach Kalimantan (Borneo) geschickt worden waren, sind in den letzten 4 Tagen 51 Menschen ums Leben gekommen. Die Kämpfe fanden im Bezirk Sambas, Westkalimantan, in der Nähe der Grenze zu Malaysia statt. An die 1000 Wohnungen sollen abgebrannt worden sein.
Vor etwa zwei Jahren waren bei ähnlichen Auseinandersetzungen 300 Menschen ums Leben gekommen.
aufgenommen: Fr., 19.3.1999

Quelle: CNN; South China Morning Post; Kompas Online, 19.3.99


China 17.3.99 Ehemalige Bergwerker protestieren

809

Insgesamt 500 freigesetzte Minenarbeiter demonstrierten den dritten Tag dagegen, daß sie schon 3 Monate kein (Unterstützungs)geld mehr bekommen haben. Der Protest fand statt vor den Regierungsgebäuden in Chengdu, der Hauptstadt Sichuans. Ihre Mine ist in Staatsbesitz.
aufgenommen: Do., 18.3.1999

Quelle: South China Morning Post, 18.3.99


Süd Korea 16.3.99 Versicherungsangestellte demonstrieren

808

Etwa 2000 Angestellte von Lebensversicherern streikten und demonstrierten in Seoul gegen die Pläne der Regierung, das Gewerbe zu restrukturieren; d.h. nicht "lebensfähige" Firmen zu liquidieren. Das würde zu vielen Entlassungen führen.
aufgenommen: Do., 18.3.1999

Quelle: ChosunIlbo, 17.3.99


Indonesien 16.3.99 Bankenstreik

807

Der Protest der Angestellten der 38 liquidierten Banken gegen die niedrigen Abfindungen hat sich in einigen Städten in einen regelrechten Streik verwandelt, so in Jakarta, Surabaya, Medan und Semarang. Die Kunden kommen nicht mehr an ihr Geld, auch Notfallpläne der Bank Indonesia, die Kunden über andere Banken auszuzahlen, scheitern, weil keine Daten übermittelt werden.
aufgenommen: Mi., 17.3.1999

Quelle: Kompas Online, 17.3.99


Indonesien 16.3.99 Streiks in Bandung

806

In Bandung streiken seit Montag die ArbeiterInnen von drei Textilfabriken: CV Saritex, PT Top Man (100) und CV Sandang Jaya Textile (300 ArbeiterInnen). Die Forderungen beinhalten die Erhöhung der Löhne mittels Zulagen und Inflationsausgleich; aber auch Urlaub, bezahlte Krankheitstage und bezahlte freie Menstruationstage. Bei Saritex wurden 34 von 37 Forderungen akzeptiert, allerdings (noch) nicht die nach 100%iger Lohnerhöhung.
aufgenommen: Mi., 17.3.1999

Quelle: Pikiran Rakyat, 17.2.99


Indonesien 15.3.99 Bankangestellte

805

Während in Surabaya die liquidierten Banken von Polizei und Sicherdiensten scharf bewacht und geschlossen waren und in Pontianak ein Run mit panischen Auswüchsen auf die Filialen stattfand, protestierten Bankangestellte in Jakarta, Semarang, Medan. In Jakarta waren es vor den Verwaltungen verschiedner Banken insgesamt mehr als Tausend; in Semarang streikten sie und demonstrierten vor dem Büro der Nationalbank; in Medan wurde ein Sitzstreik veranstaltet. Die Forderungen gehen zunehmend auch in die Richtung, von den bisherigen Eigentümern der Bank Entschädigungen zu verlangen. Die Belegschaft der Bank Mashill fordert 50 Monatslöhne für alle, die unter 750 000 Rp./Monat verdient haben, gestaffelt bis zu 4 Monatsentgelte für jene, die über 3 Millionen Rp./Monat verdienten. Auf den Spruchbändern war u.a. folgendes zu lesen: "Arbeiten in der Bank und ein Lohn wie ein Fabrikarbeiter"; "Bis zum Tot werden wir unsere Abfindung fordern". Insgesamt sind 17 000 Bankbeschäftigte von den Bankschließungen betroffen.
aufgenommen: Di., 16.3.1999

Quelle: Tempo Interaktif, Kompas Online, Suara Merdeka, 16.3.99


China 15.3.99 Moslem-Siedlung plattgemacht

804

'Straßenreparatur'Das "Xinjiang-Viertel" in Beijing ist jetzt endgültig platt: unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen sind die letzten Häuser von Bulldozern zerstört worden. Im "Xinjiang-Dorf" wohnten Migranten aus der - meist moslemischen - "Unruhe-Provinz" Xinjiang (im Westen Chinas) und betrieben z.T. Restaurants und ähnlich Folkloristisches. Unter dem Vorwand, eine Straße durchs Viertel zu reparieren, sind die Wohnungen und Geschäfte von an die 1000 Leuten zerstört worden.
aufgenommen: Di., 16.3.1999

Quelle: Hong Kong Standard, South China Morning Post, 16.3.99


Indonesien 14.3.99 Bankangestellte protestieren weiter

803

Angestellte von mindestens acht liquidierten Banken demonstrierten in Jakarta in verschiedenen Aktionen (und mit z.T. unterschiedlichen Forderungen) gegen die Höhe der vom Staat angebotenen Abfindungen. Nach einem Beschluß des Arbeitsministers sollen sie Abfindungen in Höhe von zwei bis 16 Monatslöhnen bekommen, abhängig von der Dauer ihrer Beschäftigung. Die größte Demo fand bei der Zentralstelle der Bank PSP mit 780 Angestellten aus verschiedenen Banken statt. Es gab Forderungen nach mindestens 30 Monatsgehältern für alle und nach gerechterer Verteilung des Geldes.
aufgenommen: Mo., 15.3.1999

Quelle: Pikiran Rakyat; Riau Pos; Suara Merdeka; Tempo Interaktif, 15.3.99


China Feb./März 99 Migration nach Guangdong

802

Ende Februar, nach dem chinesischen Neujahrsfest, wurde in Guangdong die Rekordankunft von 300 000 am Tag gezählt. In den 25 Tagen seit dem Fest sind allein aus der Provinz Hunan 6,8 Millionen Menschen nach Guangdong gefahren; etwa 10 % davon sind Neumigranten. Die Enge in den Zügen war so dramatisch, daß 4 junge Frauen aus der Provinz Sichuan im Zug von Beijing nach Shenzhen erstickt sind. Inzwischen sind die Ankunftszahlen runter auf 80 000 pro Tag, aber nur 60 000 verlassen die Provinz täglich. Unter den Einwohnern der Provinz gibt es 62 000 Arbeitslose und 28 000 Freigestellte.
aufgenommen: Mo., 15.3.1999

Quelle: South China Morning Post, 15.3.99


Indonesien 13.3.99 38 Banken geschlossen

801

Kampf um
AbfindungenNach langem Hin- und Her sind jetzt 38 Banken geschlossen und sieben andere unter Regierungsverwaltung gestellt worden. Diese Entscheidung war schon für Ende Februar erwartet worden, wurde damals aber aus "technischen Gründen" verschoben. Offenbar fanden hinter den Kulissen harte Auseinandersetzungen der Eigentümer der Banken (darunter die Kinder Soehartos), der Regierung und dem IWF statt (s. 794).
Obwohl die Regierung den Bankangestellten eine Abfindung versprochen hat, demonstrierten viele für mehr Geld oder eine andere Verteilung des Geldes.
aufgenommen: So., 14.3.1999

Quelle: The Straits Times; Suara Merdeka; Suara Pembaruan, 14.3.99; Waspada, Media Indonesia 13.3.99


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23. März 1999